Bolivien – La Paz, Salar de Uyuni und der Amazonas: Das verborgene Juwel Südamerikas
Wenn die Seilbahn über die Häuserdächer von La Paz schwebt und der Blick über den riesigen Talkessel auf schneebedeckte Andengipfel fällt, wenn auf dem Salar de Uyuni der Horizont verschwimmt und Erde und Himmel zu einem einzigen weißen Spiegel werden und wenn im Madidi-Nationalpark ein Flussdelfin lautlos durch das trübe Amazonaswasser gleitet, dann versteht man, warum Bolivien zu den Lieblingsreisezielen von Kennern gehört. Das Land zwischen Chile und Peru wird oft übersehen. Zu Unrecht.
Bolivien ist ein Land der Extreme und der Überraschungen: höher, wilder, ursprünglicher. Mit uralten Kulturen, einer faszinierenden Moderne und einer Natur, die atemlos macht.
La Paz – Wo der Alltag auf 3.650 Metern beginnt
Die Regierungshauptstadt La Paz liegt in einem Kessel, eingebettet zwischen Andengipfeln, auf rund 3.650 Metern Höhe. Der erste Eindruck: am besten von oben. Die öffentliche Seilbahn Teleferico fährt hinauf nach El Alto und bietet einen weiten Blick über die Dächer der Stadt und das gewaltige Panorama der Kordillere. Donnerstags und sonntags ist oben Markt.
Unten in der Altstadt schlägt das koloniale Herz der Stadt. Die Plaza Murillo mit dem mächtigen Präsidentenpalast und der Kathedrale ist das Zentrum, die Plaza de San Francisco mit ihrer Basilika im überladenden Barock gleich um die Ecke. Dazwischen liegt der Mercado de las Brujas, der Hexenmarkt: ein buntes Durcheinander aus Kräutermischungen, mumifizierten Mini-Lamas, traditionellen Heilmitteln und Schmuck. Wer mag, kann sich hier auch die Zukunft vorhersagen lassen.
Wer junge Kunst und lebendige Atmosphäre sucht, findet beides im Viertel Sopocachi: Galerien, Theater, Bars, Live-Musik und Rooftop-Terrassen mit Aussicht. La Paz ist eben nicht nur historisch, sondern auch erstaunlich modern.
Kulinarisch lohnt sich ein Besuch im GUSTU, einem der besten Restaurants Lateinamerikas. Es verbindet innovative bolivianische Küche mit lokalen Produkten aus den Anden und dem Amazonas, von Alpaka und Lama bis zu seltenen Kräutern, und bildet gleichzeitig junge Köche aus benachteiligten Verhältnissen aus. Eine ähnliche Philosophie verfolgt das Ancestral, geleitet von einem ehemaligen GUSTU-Chefkoch: bolivianische Produkte vom Holzkohlegrill, offene Küche, Kräutergarten, Terrasse.
Gleich vor den Toren der Stadt liegt das Valle de la Luna, das Mondtal: eine erodierte Felslandschaft in Beige, Braun und Rot, durchzogen von bizarren Formationen und vereinzelten Kakteen. Ein markiertes Pfadsystem macht den Besuch einfach, die Legenden rund um das Tal machen ihn unvergesslich.
Titicacasee – Insel der Sonne, Insel des Mondes
Den Titicacasee teilt sich Bolivien mit Peru. Auf der bolivianischen Seite liegt die Isla del Sol, die Insel der Sonne, der mythische Ursprungsort der Inka-Kultur. Der Legende nach wurden hier die ersten Inka auf Geheiß des Sonnengottes Inti zur Welt geschickt. Wer ankommt, steigt viele Stufen hinauf, wird belohnt mit einem weiten Blick auf den tiefblauen See und die Berge, und erlebt auf Wunsch eine Zeremonie mit einem Schamanen. Die Worte versteht man nicht, aber man versteht alles. Autos sind auf der Insel verboten. Es ist ruhig, man geht zu Fuß von Dorf zu Dorf. Etwas abseits liegt die Isla de la Luna, selten besucht, mit den Ruinen eines Inka-Tempels. Der Legende nach wurden hier Frauen ausgebildet, die dem Sonnengott geweiht waren. Ausgangspunkt für beide Inseln ist der kleine Ort Copacabana mit seiner bunten Basilika und einem lebhaften Markt.
Sucre und Potosi – Die weiße Stadt und das Silber der Welt
Hoch auf dem Altiplano liegt Sucre, Boliviens Verfassungshauptstadt und UNESCO-Weltkulturerbe. Die weißen Fassaden der Kolonialgebäude leuchten in der Andensonne. Im Haus der Freiheit wurde 1825 die Unabhängigkeit des Landes erklärt, die Kathedrale an der Plaza 25 de Mayo verbindet Barock und Kolonialstil zu einem prachtvollen Ensemble. Vom Kloster La Recoleta schweift der Blick weit über die Stadt. Und wer samstags hier ist: Der Markt im nahen Dorf Tarabuco mit Textilien und Handwerkskunst lohnt den kurzen Ausflug.
Unweit von Sucre liegen außerdem Dinosaurierspuren, eingedruckt in ehemaliges Seeufergestein, das heute schräg aufragendes Gestein bildet: Über 294 Dinosaurierarten wurden hier nachgewiesen, erst 1994 entdeckt.
Weiter geht es nach Potosi, der Stadt des Silbers, die im 16. Jahrhundert zu den reichsten und größten Städte der Welt zählt. Das Silber aus dem nahegelegenen Cerro Rico finanzierte das spanische Weltreich, die daraus geprägten Münzen beeinflussten später das Design des US-Dollars. Heute erzählt die Casa Nacional de la Moneda, die ehemalige Münzprägeanstalt, auf drei Stockwerken und in mehreren Innenhöfen von dieser Geschichte: Schmelzöfen, Walzwerke, Prägemaschinen, Münzen, Kunstobjekte. Wer nach oben möchte: Die Kirchen La Merced und San Lorenzo de Carangas bieten schöne Dachterrassen mit Blick über die Stadt.
Salar de Uyuni – Weiß, endlos, unwirklich
Es ist das Symbol Boliviens und eines der berührendsten Naturwunder der Welt: der Salar de Uyuni, die größte Salzfläche der Erde. In der Trockenzeit bildet sie ein schier endloses weißes Meer, in dem Horizontlinien verschwimmen und Perspektiven sich auflösen. In der Regenzeit von Januar bis Maerz bedeckt ein hauchdünner Wasserfilm den Salar und verwandelt ihn in einen gigantischen Spiegel, in dem sich Wolken und Himmel spiegeln. Surreal.
Mitten in der Salzebene erhebt sich die Isla Incahuasi, bewachsen mit jahrhundertealten Kakteen, die wie Skulpturen aus dem Weiß ragen. Am Rand des Salars thront der Vulkan Tunupa, rund herum liegen Lagunen: Die Laguna Colorada leuchtet rot durch Algen und Sedimente, die Laguna Hedionda riecht nach Schwefel. In beiden Lagunen waten von Mai bis Oktober Flamingos.
Wer noch tiefer in die Erfahrung eintauchen möchte: Es gibt Hotels, die komplett aus Salzblöcken gebaut sind. Und wer eine Nacht direkt auf dem Salar verbringen will, den erwartet ein Sternenhimmel, der nach keiner Beschreibung braucht.
Diese und weitere Highlights lassen sich auf der Reise Chile, Bolivien und Peru erleben.
Rurrenabaque und der Madidi-Nationalpark – Boliviens grünes Geheimnis
Wer Bolivien nur mit Hochland und Salz verbindet, kennt erst die Hälfte des Landes. Hinter den Anden beginnt das grüne Bolivien, und der Weg dorthin ist bereits ein Erlebnis: Eine der spektakulärsten Abenteuerstraßen der Welt führt in rasanten Kurven vom Altiplano ins Tiefland hinab.
Das Tor zum bolivianischen Amazonasgebiet ist der Ort Rurrenabaque, Ausgangspunkt für Touren in den Madidi-Nationalpark. Kaum bekannt außerhalb Südamerikas, gehört der Park zu den artenreichsten Schutzgebieten der Welt. Er reicht von den Andenhangen bis ins Amazonasbecken, ist ungefähr so groß wie Sachsen und beheimatet Jaguare, Pumas, Brillenbären, Flussdelfine, Kapuzineraffen und über 1.000 Vogelarten, elf Prozent aller weltweit bekannten Arten.
Besucht wird der Park mit dem Boot, die nächsten Tage verbringt man in einer Eco-Lodge, häufig gemeinsam mit indigenen Gemeinschaften betrieben. Man fährt in schmalen Booten durch die Kanäle, macht Wanderungen, löscht am Abend das Licht und hört dem Dschungel zu. Noch ein echtes Geheimtipp, weit weniger besucht als Brasilien.
Noch mehr Eindrucke im Podcast
Wer Bolivien noch intensiver erleben möchte, kann in die Podcast-Folge 5 gute Gründe zu reisen – Bolivien hineinhören.
Radiomoderatorin und Weltreisende Stefanie Schweda spricht dort gemeinsam mit Dirk Gowin, Co-Geschaeftsführer von Select Luxury Travel, über schlaflose Nächte auf dem Salar, bolivianische Küche ohne McDonalds und warum Bolivien sein Lieblingsland in Südamerika ist.
Inspiration für deine eigene Bolivien-Reise
Ob La Paz mit dem Hexenmarkt und dem Mondtal, die Stille des Titicacasees, das Silbererbe von Potosi oder die schier unendliche Weite des Salars: Bolivien überrascht auf Schritt und Tritt. Die beste Reisezeit für das Hochland ist Mai bis Oktober, für den Amazonas Juni bis September.
Weitere Inspirationen und individuell geplante Südamerika-Reisen findest du bei Select Luxury Travel.
















