Wenn sich die Tischtuchwolke wie ein Schleier über die Kante des Tafelbergs legt, wenn im Sabi-Sabi-Reservat ein Leopard aus nächster Nähe durchs Bild schleicht und wenn im Rovos Rail beim Dinner in viktorianischem Ambiente die Landschaft vorbeizieht, dann versteht man, warum Südafrika von allen Afrika-Destinationen als das „kompletteste“ Land gilt. Safari im weltberühmten Krüger-Park und in privaten Reservaten, traumhafte Küsten, das Weinland, eine internationale Metropole und mit dem Tafelberg eines DER Sehnsuchtsziele überhaupt.
Südafrika ist rund 3,5-mal so groß wie Deutschland, hat aber nur 62 Millionen Einwohner und gleich elf offizielle Amtssprachen, wobei alle Englisch sprechen. Die Landschaften reichen von Savannen über Wüsten und Weinregionen bis zu Tropenküste und Hochgebirge, am Kap wächst sogar ein eigenes Pflanzenreich, und vor der Küste treffen sich zwei Ozeane: Atlantik und Indischer Ozean. Das Klima ist unserem entgegengesetzt: unser Winter ist dort Sommer. Die Anreise ist unkompliziert: Lufthansa und South African Airways fliegen nonstop, hin meist über Nacht, so dass man morgens gleich loslegen kann, entweder nach Kapstadt oder nach Johannesburg, wenn zuerst der Krüger-Nationalpark auf dem Plan steht.
Kapstadt – Die Stadt unter dem Tafelberg
Kapstadts Lage an der Küste unter dem Tafelberg ist einmalig schön: dazu kommen hochklassige Hotellerie, herausragende Restaurants und unendlich viel zu entdecken. Gewohnt wird zum Beispiel im Cape Grace direkt an der Waterfront: modern, mit Boutique-Charme, großen Fenstern, toller Kulinarik und großem Spa – oder im One&Only Cape Town, ebenfalls an der Waterfront, mit Blick auf Tafelberg und Hafen: moderne Architektur trifft afrikanisches Flair, dazu das einzige Nobu Afrikas mit japanisch-peruanischer Fusionsküche und ein Spa auf einer eigenen Insel.
Die Victoria & Alfred Waterfront – benannt nach Königin Victoria und Prinz Alfred, 1990 in den alten Hafengebäuden eröffnet – ist das Unterhaltungsviertel der Stadt: über 400 Shops, Restaurants für jeden Geschmack, Museen, ein Aquarium – und hier starten die Fähren nach Robben Island, wo Nelson Mandela gefangen gehalten wurde. Wahrzeichen der Waterfront ist seit 2017 das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (MOCAA): eines der größten Museen Afrikas für zeitgenössische Kunst, untergebracht auf neun Etagen in einem spektakulär umgebauten Getreidesilo – mit der Sammlung des deutschen Initiators und Namensgebers Jochen Zeitz als Teil der Dauerausstellung. Wer mehr Kunst will, nimmt die Tour durchs Kreativviertel Woodstock: Ateliers und Design-Studios im ehemaligen Industrieviertel, dazu Street Art an jeder Ecke und trendige Restaurants.
Grün wird es im Company’s Garden, dem kleinen Botanischen Garten hinter dem Parlament, 1652 von der Dutch East India Company als Kräuter- und Gemüsegarten angelegt – heute mit uralten Eichen, Platanen, Palmen und Zypressen. Und erst recht im Kirstenbosch National Botanical Garden am Osthang des Tafelbergs, dem berühmtesten Garten für die südafrikanische Flora – mit unzähligen Sorten der Nationalblume Protea, zu sehen vor allem von März bis September. Im südafrikanischen Sommer finden hier Konzerte auf den Rasenflächen statt – untouristischer geht es kaum.
Auf den Tafelberg selbst – 1.086 Meter hoch, drei Kilometer lang, ein Kilometer breit – geht es in knapp zehn Minuten mit der Seilbahn. Oben wartet ein Rundweg mit Aussichtspunkten und einem herrlichen Blick über die Stadt, mit etwas Glück zeigen sich die Klippschliefer, kleine Nagetiere, etwas größer als Murmeltiere. Und wenn die berühmte Tischtuchwolke kommt – eine Wolkenformation aus feuchter Atlantikluft, die wie ein Tischtuch langsam über die Bergkante fließt – ist das ein faszinierendes Schauspiel.
Der klassische Tagesausflug führt über den Chapman’s Peak Drive die Küste entlang – dramatische Klippen, donnernde Wellen, Aussichtspunkte in Serie, dazu die Bergkette der Zwölf Apostel – zum Kap der Guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt der Kap-Halbinsel. Ursprünglich hieß es Kap der Stürme, bis der portugiesische König Johann II. es in „Cabo da Boa Esperança“ umbenannte – man hoffte auf die sichere Passage nach Asien. Manchmal läuft hier ein Strauß durchs Bild. Weiter geht es zum Cape Point mit seinem Leuchtturm auf der Anhöhe, erreichbar per Standseilbahn oder Wanderweg – in den Klippen nisten Kormorane und Tölpel, und ab hier kommt bis zur Antarktis nur noch Wasser. Auf dem Rückweg warten am Boulders Beach die afrikanischen Pinguine: Holzstege führen durch die Kolonie bis zum Strand, von den Plattformen beobachtet man die Tiere beim Brüten und Schwimmen. Und noch ein Einheimischen-Tipp: abends auf die Uferpromenade am Atlantik, wo die Kapstädter joggen und ihre Hunde ausführen, während die Sonne im Meer versinkt.
Das Weinland – Franschhoek, Stellenbosch und die Kunst des Genusses
Nicht weit von Kapstadt beginnt das Weinland: sanfte Hügel mit wie mit dem Lineal gezogenen Rebzeilen, dazwischen raue Granitfelsen, historische Herrenhäuser mit moderner Ausstattung. Der Weinbau begann hier 1652 mit der Kapkolonie der Holländer – ab 1688 brachten die aus Frankreich geflohenen Hugenotten ihr Wissen mit und prägten die Region. An sie erinnert im entzückenden Örtchen Franschhoek („Französische Ecke“) das Hugenotten-Monument von 1948 samt kleinem Museum, das von den harten Anfangsjahren erzählt. Wer mehrere Weingüter erleben will, nimmt die Wine Tram, die durch das Franschhoek-Tal von Gut zu Gut fährt – oder lässt sich stilvoll chauffieren.
Die Empfehlung der Region ist das Delaire Graff Estate: kein historisches Weingut, sondern ein moderner, schlicht-eleganter Bau im Besitz des weltbekannten Diamanten-Juweliers Laurence Graff – heute eine Wein- und Kunst-Destination mit 400 Werken afrikanischer Künstler auf dem Gelände und Bordeaux-Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot, dazu Chardonnay, Sauvignon Blanc und Shiraz. Es zählt zu den Top-Weingütern der Welt. Hauptort des Weinlands ist Stellenbosch, 1679 vom Kapkolonie-Gouverneur Simon van der Stel gegründet und damit eine der ältesten europäischen Städte Südafrikas: eine stimmungsvolle Universitätsstadt mit jungen Leuten, Kneipen und Boutiquen, kapholländischen Giebelhäusern und dem historischen Dorfplatz Braak aus dem 18. Jahrhundert.
Und die Weine selbst? Mediterranes Klima, dazu Böden aus Granit, Sandstein, Lehm und Schiefer – das ergibt mineralische, elegante, fruchtige Weine: vollmundiger Cabernet Sauvignon, weicher Merlot, würziger Shiraz, frischer Sauvignon Blanc mit Zitrusnote und der typische Chenin Blanc von trocken bis süß. Eine südafrikanische Spezialität ist der Pinotage, eine Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsault. Fast jedes Weingut hat ein Restaurant mit herrlicher Terrasse – so wird die Weinprobe zum Gesamterlebnis aus Natur, Kultur und Genuss, auf Wunsch auch als stilvolles Picknick in den Weinbergen.
Krüger-Nationalpark und Sabi Sabi – Safari der Extraklasse
Der Krüger-Nationalpark ist einer der größten, ältesten und berühmtesten Wildparks der Welt: knapp 20.000 Quadratkilometer, seit 1898 Schutzgebiet und seit 1926 Nationalpark. Hier leben rund 147 Säugetier- und 500 Vogelarten – natürlich die Big Five (Löwe, Leopard, Elefant, Breit- und Spitzmaulnashorn, Büffel), dazu Giraffen, Zebras, Flusspferde, Krokodile, Impalas, Kudus, Nyalas, Wildhunde, Hyänen und viele mehr. Im Park wohnt man in Restcamps – eher basic, dafür mittendrin – und fährt auf dem hervorragend ausgebauten Wegenetz langsam durch den tierreichen Süden, hält, wo schon Autos stehen, oder wartet am Wasserloch, bis etwas passiert: Giraffen, die vor dem Trinken erst ihre langen Beine sortieren müssen, oder eine Elefantenherde, die sich prustend den Vortritt vor den Nashörnern verschafft.
Noch exklusiver wird es in Sabi Sabi, einem privaten Wildreservat, das ohne Zäune direkt an den Krüger grenzt – es gehört faktisch dazu, ist aber deutlich ruhiger, weil hier weniger Lodges stehen. Nirgendwo stehen die Chancen besser, Leoparden zu sehen, oft aus nächster Nähe. Gepirscht wird morgens und nachmittags im offenen 4×4 mit Guides, die ihre Pappenheimer genau kennen, dazu gibt es geführte Buschwanderungen mit Ranger. Gewohnt wird in der Sabi Sabi Earth Lodge: 13 Suiten mit Glasfront, privaten Tauchbecken und Außenterrassen, harmonisch in die Landschaft integriert – futuristisch und zugleich wie eine urzeitliche Behausung. Die zentralen Bereiche mit Galerie, Spa, Fitnessraum und Meditationsgarten blicken auf ein Wasserloch, und der unterirdische Weinkeller mit annähernd 6.000 Flaschen edelster südafrikanischer Weine ist die Bühne für exklusive Dinner.
Kleine, feine, private Reservate – Kalahari, Addo und malariafreie Alternativen
Wer es noch abgeschiedener mag, fliegt in die Kalahari: Das Tswalu Kalahari Reserve im Besitz der Familie Oppenheimer umfasst über 100.000 Hektar mit mindestens 80 Tier- und 340 Vogelarten – und im gesamten Gebiet gibt es nur zwei ultra-exklusive Unterkünfte für insgesamt höchstens 30 Gäste. Das Motse Camp mit nur neun abgeschiedenen Suiten aus Naturstein, Stroh und Holz blickt über die trockenen Savannenwiesen aufs Wasserloch – mit Sonnendeck, Kamin für kühle und Außendusche für heiße Tage. Das Programm wird ganz persönlich zugeschnitten: klassische Pirschfahrten, Helikopter-Safaris, Safaris zu Pferd, Touren zu Fuß, eine Expedition zu den Erdmännchen, prähistorische Felszeichnungen, die Forschungsstation – und die romantische Nacht im Malori-Sternenbett unter freiem Himmel.
Elefantenfans besuchen den Addo Elephant National Park am Eastern Cape nahe Port Elizabeth – 1931 gegründet, um die letzten elf Elefanten der Region zu schützen; heute sind es rund 600, dazu Löwen, Leoparden, Büffel und Nashörner. Der Park wirbt sogar als „Big Seven“: Zum Schutzgebiet gehört ein Küstenstreifen mit einem der größten unveränderten Dünenökosysteme der südlichen Hemisphäre – und im geschützten Meer davor lassen sich Buckelwale und Weiße Haie beobachten, auf den Inseln Pinguine, Kaptölpel und Seehunde. Neben Bungalows und Selbstversorger-Häusern gibt es exklusive Lodges wie das Gorah Elephant Camp, die River Bend Lodge oder Gates of Addo – naturverbunden, stilvoll, mit vollem Verwöhnprogramm und großen Safarizelten, teils mit eigenem Pool.
Ein gutes Argument vieler privater Reservate: Sie sind malariafrei. Zum Beispiel das Pumba Private Game Reserve, ebenfalls am Eastern Cape – gemischtes Buschland mit Hügeln und Seen, Heimat der seltenen Weißen Löwen, der Big Five, von Geparden, Flusspferden und 300 Vogelarten. Weil es privat ist, kennen die Ranger jedes Tier, garantieren beste Sichtungen – und dürfen auch nachts auf Pirsch gehen, wenn sich ganz andere Tiere zeigen. Gewohnt wird in Chalets mitten im Buschland mit kleinen privaten Pools.
Rovos Rail – Slow Travel im Luxuszug
Man kann Südafrika auch mit dem Zug bereisen – natürlich nicht mit irgendeinem: Rovos Rail ist ein historischer Luxuszug, seit über 30 Jahren unterwegs. 1989 kaufte der südafrikanische Unternehmer und Eisenbahn-Enthusiast Rohan Vos alte Lokomotiven und Waggons und stattete sie für Luxusreisende aus. Die klassische Route führt in drei Nächten von Pretoria nach Kapstadt, eine weitere in zwei Nächten von Pretoria nach Durban – daneben gibt es Fahrten zu den Victoria Falls, eine Golf Safari Journey, eine Route durch Namibia und gelegentlich die große 16-Tage-Tour von Kapstadt bis Dar es Salaam. Innen: klassisches, viktorianisch inspiriertes Interieur. Die Kabinen sind kompakt – sieben Quadratmeter die kleinste, mit Doppelbett und eigenem Bad, die größeren zehn Quadratmeter mit Betten, die sich tagsüber in eine Sitzecke verwandeln – doch man nutzt sie ohnehin fast nur zum Schlafen. Denn das Leben spielt sich in den Speisewagen mit feinster südafrikanischer und internationaler Küche ab (Champagner und Weine der Region inklusive, nachmittags High Tea) und in der Lounge mit Bar und Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Je nach Route gibt es Ausflüge, etwa nach Matjiesfontein oder zu den Diamantenminen von Kimberley. An Bord sind nur 72 Gäste, man lernt sich schnell kennen, abends kleidet man sich elegant zum Dinner – bewusstes Slow Travel. Kurz: wie im Orient-Express, nur ohne Orient, ohne Express und vor allem ohne Mord. Diese Reise gibt es bei Select Luxury Travel als Rovos Rail-Privatreise.
Übrigens: Die Impf-Hürde ist kleiner als gedacht: Hepatitis A ist sinnvoll, Malaria-Prophylaxe wird nur für die Region um den Krüger-Nationalpark empfohlen; Kapstadt, das Weinland und der Addo-Park sind malariafrei.
Wer Südafrika noch intensiver erleben möchte, kann in die Podcast-Folge 5 gute Gründe zu reisen – Südafrika hineinhören.
Radiomoderatorin und Weltreisende Stefanie Schweda spricht dort gemeinsam mit Dirk Gowin, Co-Gründer und Geschäftsführer von Select Luxury Travel, über den Blinzel-Wettbewerb zwischen Elefanten und Nashörnern am Wasserloch, die Tischtuchwolke über dem Tafelberg und die Frage, welcher Wein nach Heimat schmeckt.
Inspiration für deine eigene Südafrika-Reise
Ob du vom Blick vom Tafelberg träumst, von der Weinprobe mit Bergpanorama, vom Leoparden in Sabi Sabi oder vom Dinner im Rovos Rail: Südafrika ist das Land, das alles vereint, und eines, in das man immer wieder zurückkehrt. Weitere Inspirationen und individuell geplante Afrika-Reisen findest du bei Select Luxury Travel.
















